Argumente gegen den Kammer und Meisterzwang für Dreadlocks

Wer sich mit der Materie der Dreadlocks auskennt weiß, dass Dreadlocks mit dem Friseurhandwerk in keinerlei Verbindung stehen. Ganz im Gegenteil, Dreadlocks bestehen aus verfilztem Haupthaar, das klassischerweise entsteht, indem man dem Friseursalon fern bleibt. Das Programm “waschen, schneiden, legen” im Sinne der klassischen Friseurtätigkeit findet bei uns keine Anwendung.

Das Waschen wird vom zukünftigen Dreadhead selbst übernommen, eine Schere verträgt sich nicht mit Dreadlocks und liegen tun Dreadlocks frisch gemacht sowieso schon einmal garnicht.

Die Handwerksordnung

Aus der Handwerksordnung(HwO) ergibt sich bereits, dass die Erstellung von Dreadlocks nicht dem Friseurhandwerk zugerechnet sein kann. Denn laut HwO sind explizit Tätigkeiten ausgeschlossen, die:

  • Innerhalb von drei Monaten zu erlernen sind
  • wenn das Erlernen länger dauert, alles nach drei Monate nicht relevant für die Ausübung der Tätigkeit ist
  • sich nicht aus einem kammerpflichtigen Beruf heraus entwickelt haben

Alle drei Punkte treffen für Dreadlocks zu. Die Grundtechniken um passable Dreadlocks erstellen zu können sind mit viel Disziplin in kürzester Zeit zu erlernen.  Was darüber hinausgeht – sofern es überhaupt darüber hinaus geht – sind meist firmenspezifische Techniken, die zwar die Arbeit erleichtern, für die eigentlich Tätigkeit aber nicht zwingend relevant wären.

Auch der dritte Punkt ist deutlich zu kommentieren: Die Erstellung und Pflege von Dreadlocks ist nicht aus dem Friseurhandwerk entstanden. Dreads sind und waren nie Teil der Ausbildung zur Friseurkraft. Vereinzelte Friseurkräfte, die in der Lage sind Dreadlocks zu erstellen, haben sich dies in Eigenarbeit beigebracht.

Das Bundesverfassungsgericht

Der letzte Versuch die Zwangsmitgliedschaften der Handels und Handwerkskammern abzuschaffen wurde vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt. Allerdings wurde in der Begründung festgehalten:

„Die Änderung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel die Änderung der Struktur von den in den Kammern zusammengefassten Unternehmen und die Entwicklung des Verbandswesens im entsprechenden Bereich, verlangt vom Gesetzgeber allerdings die ständige Prüfung, ob die Voraussetzungen für eine öffentlich-rechtliche Zwangskorporation noch bestehen.“ (Abs. 38)

Für den Bereich der Dreadlocks ist klar: Die Vorraussetzungen für eine Zwangskoorperation sind nicht gegeben. Als Einzelunternehmen bietet die Handwerkskammer keinen Mehrwert. Im Gegenteil: Viele selbständig tätige Menschen verlieren mit der Zwangmitgliedschaft und der daraus folgenden Meisterpflicht ihre Lebensgrundlage.

Ein Meister für Dreadlocks existiert nicht und er ist auch nicht mit einem Meister für Friseurhandwerk zu substituieren.